Informationen aus erster Hand holten sich Mitglieder der SPD-Fraktion.
Markus Kuhlen
Informationen zur handwerklichen Ausbildung aus erster Hand holten sich Mitglieder der SPD-Fraktion um Minister Roger Lewentz (2.v.l.) und Dr. Anna Köbberling (3.v.l.) in den Bildungszentren der Handwerkskammer Koblenz, in denen sie durch HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich (links) und Geschäftsführer Bernd Hammes (rechts) begrüßt wurden.

20.06.2022 - Handwerk hat für Rheinland-Pfalz eine hohe BedeutungSPD-Fraktion tauscht sich mit HwK Koblenz aus und besucht Elektrounternehmen

Nachwuchssicherung, Ausbildung und Digitalisierung waren die Themen, über die sich die SPD-Landtagsfraktion bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz informierte. Als Teil der Reihe „Fraktion vor Ort“ besuchten Minister Roger Lewentz und Landtagsabgeordnete die HwK sowie einen Handwerksbetrieb. Gemeinsam sollte die aktuelle Situation im Handwerk aufgenommen und in offenen Gesprächen Anregungen mitgenommen werden.

Betriebsbesuch im Elektrounternehmen Künster in Koblenz
Markus Kuhlen
Betriebsbesuch im Elektrounternehmen Künster in Koblenz: Juniorchef Pierre Kraus (rechts) informiert über die aktuelle Wirtschaftslage im Handwerk die Mitglieder der SPD-Fraktion um Minister Roger Lewentz (links) und Dr. Anna Köbberling (3.v.l.) zusammen mit HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich (2.v.l.).

Auftakt war der Besuch im Elektrounternehmen Künster in Koblenz. Der Familienbetrieb beschäftigt 60 Mitarbeitende, davon befinden sich 12 in der Ausbildung. Juniorchef Pierre Kraus berichtet von aktuellen Lieferengpässen, dennoch sei die Auftragslage noch gut, vor allem im Bereich der Elektromobilität. Die Preissteigerungen seien für Handwerksunternehmen ein großes Problem. Vor allem bei öffentlichen Aufträgen könnten diese nicht weitergegeben werden. Auf die Nachfrage von Minister Roger Lewentz, welche Wunschliste er der SPD-Landtagsfraktion mit auf den Weg geben könne, gab Kraus einige Punkte an: Bei öffentlichen Aufträgen sollten die Preissteigerungen fair verteilt werden. Ein Weg in Richtung Fachkräftesicherung sieht er in intensiveren Sprachkursen für nichtdeutsche Bewerber. Darüber hinaus könne die Nachwuchssicherung nur gelingen, wenn sich auch die Politik für einen Imagewandel des Handwerks einsetzen werde.

Der nachfolgende Rundgang durch einige der Ausbildungswerkstätten des Metall- und Kompetenzzentrums der Handwerkskammer Koblenz ermöglichte spannende Einblicke in den handwerklichen Ausbildungsalltag. Für alle Sparten wurde deutlich: die Digitalisierung ist wichtiger Bestandteil der Ausbildung im Handwerk.

Im Kfz-Bereich spielt die Elektromobilität eine wichtige Rolle bei der Ausbildung Jugendlicher. Die komplexe Thematik innerhalb der vorgegebenen Lehrzeit zu absolvieren, sei eine Herausforderung, so der zuständige Ausbildungsleiter. Dies könne nur in Zusammenarbeit mit den Berufsschulen gelingen.

Der Ausbildungsbereich Heizung und Sanitär verfügt über einen Energie-Innovationsraum, ein Pilotprojekt, das die Handwerkskammer als eine von nur zwei Kammern in Deutschland anbietet. In dem Raum werden die unterschiedlichen Energieformen aufgezeigt. „Energie ist berufsübergreifend notwendig“, erklärte Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich, „in dem Energie-Innovationsraum können sich alle Berufszweige über die Energie-Alternativen informieren“.

Innovation bedeute auch, das Thema Digitalisierung praxisnah für die Jugendlichen in die berufliche Bildung zu integrieren, so Hellrich. Daher werde auch der Handy-Affinität der Azubis Rechnung getragen. Über ihre Smartphones können sie beispielsweise die QR-Codes an den unterschiedlichen Heizgeräten abrufen. „So werden heute Betriebsanleitung, Ersatzteilliste oder Einstellungen gelesen“, sagte Hellrich. „Klassische Bedienanleitungen wird es ohnehin bald nicht mehr geben.“

Auch im Ausbildungsbereich der Schweißtechnik setzt die HwK auf modernstes Equipment wie den virtuellen Schweißsimulator, der enorme Verbesserungen für die Ausbildung ermöglicht. Mit dem 40.000 Euro teuren Simulator können die jungen Auszubildenden zunächst Schweißtechniken ohne Lichtbogen erlernen. Der außerdem eingesetzte Schweißroboter kann gefährliche oder personenbelastende Schweißarbeiten ausführen.

Digitalisierte Systeme erleichtern ebenfalls die Arbeit im Straßenbau: Der Minibagger mit GPS verfügt über eine Tiefenmessung, Erkennen von Böschungen und vieles mehr.

Nach dem Rundgang zeigten sich die Teilnehmer beeindruckt. Anna Köbberling, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, resümierte: „Wir konnten heute sehen, dass die handwerkliche Ausbildung nicht mehr dieselbe ist wie vor 20 Jahren. Sie ist heute sehr viel komplexer und moderner aufgestellt.“

Minister Lewentz betonte, dass das Handwerk für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz eine hohe Bedeutung habe. „Gerade kleine und mittlere Handwerksbetriebe tragen zu einer nachhaltigen und regionalen Wertschöpfung bei“, sagte er. „Die Herausforderungen der Transformation sind dabei nur auf Basis einer starken beruflichen Aus- und Weiterbildung zu meistern. Das duale Ausbildungssystem ist dafür die Basis.“

Die große Herausforderung des Fachkräftemangels sei hauptsächlich auf den demografischen Wandel zurückzuführen, waren sich die Teilnehmer nach dem Besuch einig. Ein Schlüssel zur Lösung seien Zuwanderung, aber auch tatsächlich ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft gegen die zunehmende Fokussierung auf die akademische Ausbildung. Das Handwerk biete innerhalb der beruflichen Ausbildung ebenfalls großartige Zukunftsperspektiven.

„Die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung bleibt ein Leitbild unserer politischen Arbeit“, sagte Dr. Köbberling nach dem Termin in Koblenz. „Auch mit dem Blick auf die zu meisternde Energiewende spielt das Handwerk eine zentrale Rolle. Denn Handwerk ist Hightech.“

 

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Jörg Diester

Jörg Diester
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