Handwerkskonjunktur im Norden von Rheinland-Pfalz erholt sich
Hwk Koblenz
Gute Aussichten am Bau: Wieder geben die Bau- und Ausbaugewerbe die beste Geschäftslagebeurteilung ab, im Bild Dachdeckermeisterin Julia Peetz, die das zweitbeste Ergebnis unter 569 Meisterprüfungen bei der HwK Koblenz erreichte.

Handwerkskonjunktur im Norden von Rheinland-Pfalz erholt sich

Stimmung hellt sich auf trotz Störung bei den Lieferketten / Zahl der Handwerksbetriebe um 400 auf 20.700 gestiegen.

Die Einschätzung der Geschäftslage wird in diesem Herbst von vielen Handwerksbranchen wieder deutlich positiver bewertet. Das ergibt sich aus dem jüngsten Konjunkturbericht der Handwerkskammer (HwK) Koblenz unter 2.800 Betrieben. Diese positive Stimmung wird vornehmlich von den Ergebnissen der Bau- und Ausbaubetriebe dominiert. Im Frühjahr 2021 war die Stimmung noch verhaltener: 73 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage als gut und befriedigend. Im Herbst 2021 sehen die Zahlen deutlich besser aus: 92 Prozent beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut und befriedigend. Zum gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 85 Prozent (vor Corona im Herbst 2019: 94 Prozent).

„Damit verzeichnen wir zum Vorjahr ein Plus von sieben Prozent. Das Handwerk hat sich damit grundsätzlich erholt und als krisensicher gezeigt, auch wenn die Bilanz in den verschiedenen Branchen unterschiedlich ausfällt“, kommentieren HwK-Präsident Kurt Krautscheid und Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich die vorliegenden Zahlen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Corona-Pandemie über den Winter durch die erreichte Impfquote nicht weiter verstärkt und es zu keinen weiteren einschneidenden betrieblichen Einschränkungen kommt. Dennoch sind auch weiterhin Betriebe verschiedener Bereiche von den Maßnahmen und Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Deutliche Probleme bereitet dem Handwerk zudem das gestiegene Ausmaß der Lieferkettenstörungen bei vielen Rohstoffen, Materialien und Vorprodukten. Trotz allem blicken wir insgesamt optimistisch in die Zukunft und auf die Ergebnisse der aktuellen Befragung. Diese lassen insgesamt auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung hoffen“, so die Kammerspitze.

Für das nächste Quartal erwarten 89 Prozent der befragten Betriebe, dass sich die Geschäftslage verbessert oder zumindest gleichbleibt. Insgesamt ist die Zahl der bei der HwK eingetragenen Handwerksbetriebe in den ersten zehn Monaten des Jahres von 20.300 auf nun ca. 20.700 gestiegen.

„Zutiefst betroffen sind wir von der Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der auch sehr viele Handwerksbetriebe zerstört wurden. Viele davon sind gerade dabei ihren Betrieb wieder aufzubauen, um die Geschäftstätigkeit im Herbst oder zum Winter wieder aufnehmen zu können. Diese Betriebe sind bei der aktuellen Konjunkturbefragung nicht berücksichtigt. Hier werden sich die konjunkturellen Auswirkungen erst in den nächsten Monaten zeigen. Neben den Soforthilfen des Landes können von den Betrieben nun seit Ende September die Aufbauhilfen des Landes und des Bundes beantragt werden. Hierzu beraten die Berater der HwK Koblenz die betroffenen Betriebe und bieten Unterstützung in der Beantragung, auch vor Ort in der Ahr-Akademie, an“, geht die HwK auf die besondere Situation des Ahr-Handwerks ein.

Konjunkturergebnisse nach Branchen: Bauberufe melden weiterhin beste Zahlen

Wieder geben die Bau- und Ausbaugewerbe im 3. Quartal 2021 die beste Geschäftslagebeurteilung ab. Von den befragten Betrieben in den Bauhandwerken wie Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker oder Straßenbauer und von den Betrieben der Ausbauhandwerke wie Tischler, Maler, Installateure und Heizungsbauer, Elektrotechniker oder Fliesenleger melden 97 Prozent eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage.

Alle von den befragten Betrieben der Nahrungsmittelhandwerke wie Bäcker, Konditoren, Fleischer geben an, mit ihrer Geschäftslage zufrieden zu sein. Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf wie Feinwerkmechaniker, Kälteanlagenbauer, Metallbauer, Gebäudereiniger sind es 84 Prozent, 88 Prozent bei den Kfz-Betrieben und 89 Prozent bei den Betrieben der Gesundheitsgewerbe wie Augenoptiker, Zahntechniker, Hörakustiker und Orthopädietechniker, die eine gute oder befriedigende Geschäftslagebeurteilung melden. Die niedrigsten Werte geben weiterhin die personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe wie Friseure, Kosmetiker, Fotografen oder Schuhmacher an. Hier sind die Betriebe am stärksten von den Corona-Maßnahmen betroffen. 77 Prozent der personenbezogenen Dienstleistungsbetriebe beurteilen die Geschäftslage im Herbst 2021 als gut oder befriedigend. Viele der betroffenen Handwerksbetriebe konnten durch die Beantragung der Überbrückungshilfen ihren Liquiditätsengpass abmildern und das Unternehmen weiterführen.

Betriebsauslastung und Umsatzentwicklung verbessert

Die Beurteilung der Betriebsauslastung und Umsatzentwicklung im nördlichen Rheinland-Pfalz hat sich verbessert, einzelne Konjunkturindikatoren tendieren seitwärts oder leicht nach oben. 83 Prozent (Vorjahreswerte in Klammern: 78 %) der Befragten melden, dass sie zu mindestens 70 Prozent ausgelastet sind. Dies liegt zwar noch unter den Werten der Jahre 2019 und 2018, aber wieder auf einem guten Niveau. Der Auftragsvorlauf ist leicht von 10,4 Wochen auf jetzt 11,6 Wochen gestiegen.

Die Ergebnisse der Konjunkturindikatoren „Auftragseingang und Umsatzentwicklung“ liegen im Herbst 2021 ebenfalls über den Vorjahreswerten. Konstante oder gestiegene Werte im Auftragseingang geben 82 Prozent (75 %) der befragten Betriebe an. In den kommenden drei Monaten gehen 86 Prozent (80 %) von einem gleichen oder höheren Auftragseingang aus. 79 Prozent (76 %) der Handwerker melden aktuell höhere oder gleiche Einnahmen. Für das nächste Quartal gehen 85 Prozent (72 %) von einer stabilen oder positiven Umsatzentwicklung aus. Der Preisdruck für die Betriebe ist aufgrund der Materialengpässe stark angestiegen. Diese können derzeit nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden. Aktuell berichten 87 Prozent (34 %) über steigende Einkaufspreise, 48 Prozent können höhere Verkaufspreise bei ihren Kunden durchsetzen (16 %).

Investitionsbereitschaft und Beschäftigungssituation stabil

Das Investitionsklima im Kammerbezirk Koblenz bleibt auf einem guten Niveau. Derzeit investieren 54 Prozent (57 %) der befragten Betriebe eine durchschnittliche Summe von 34.000 Euro (29.000 Euro). In der aktuellen Umfrage geben 82 Prozent (72 %) der Unternehmen höhere oder gleich hohe Investitionen an. In den nächsten drei Monaten planen 74 Prozent (61 %) der Befragten Investitionen in mindestens gleicher Höhe wie im Vorquartal vorzunehmen. Hierin sind auch Investitionen der Handwerker in die zunehmende Digitalisierung enthalten, um die Arbeitsabläufe im Handwerk weiter zu modernisieren oder zu automatisieren und den Mitarbeitern mobiles Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Hierzu gibt es interessante Zuschussprogramme des Landes. Die Digitalisierungsberater der HwK Koblenz informieren Mitgliedsbetriebe kostenfrei zu diesen Themen.

Im Personalbereich nehmen in diesem Herbst 71 Prozent (72 %) der Befragten keine Veränderungen vor, 18 Prozent (17 %) stellen Mitarbeiter ein, 11 Prozent (11 %) nehmen Entlassungen vor. Im kommenden Quartal planen 77 Prozent (80 %) keine personellen Veränderungen vorzunehmen, 10 Prozent (10 %) befürchten, Stellen abbauen zu müssen, 13 Prozent (10 %) der Befragten möchten zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Beratungsangebot der HwK Koblenz

Mit passgenauen Beratungsleistungen unterstützt die HwK ihre Mitgliedsbetriebe, ob in betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen, technologischen Transformationsprozessen, Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen, Verstärkung der Nachhaltigkeit oder zu den aktuellen Themen rund um die Corona-Richtlinien und die Hochwasserhilfen.

 

19.10.2021



 

HwK-Pressestelle

Jörg Diester

Jörg Diester
Leitung Pressestelle

Tel. 0261 398-161
joerg.diester--at--hwk-koblenz.de



 

Informationen

 0261/398-251

 beratung@hwk-koblenz.de