Gut schneiden in der jüngsten Konjunkturabfrage der Handwerkskammer Koblenz die Ausbaugewerke ab, so die Elektrotechniker – im Bild Christine Vogel, Lehrling im Unternehmen Elektrotechnik Schürg aus Unnau (Westerwald).
07.10.2026Handwerkskonjunktur tritt auf der Stelle, Kostendruck nimmt deutlich zu
Die Handwerkskonjunktur im Bezirk der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zeigt sich im Herbst 2026 insgesamt stabil, doch von einem wirtschaftlichen Aufschwung kann weiterhin keine Rede sein. 83 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Damit liegt dieser Wert auf dem Niveau des Vorjahres. Für die kommenden Monate erwarten 77 Prozent der Betriebe eine zumindest befriedigende Geschäftslage. Sollte diese Prognose eintreten, wäre das der schlechteste Wert in den vergangenen fünf Jahren.
„Das Handwerk im nördlichen Rheinland-Pfalz beweist auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld seine Widerstandsfähigkeit. Die Betriebe arbeiten ihre Aufträge ab, sichern Beschäftigung und investieren. Allerdings darf diese Stabilität nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei dem bestehenden Kostendruck, bei der zurückhaltenden Investitionstätigkeit und der sinkenden Auslastung deutliche Warnsignale bestehen. Für einen echten Aufschwung brauchen unsere Betriebe vor allem Verlässlichkeit und wieder mehr Vertrauen in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, kommentieren HwK-Präsident Kurt Krautscheid und Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich die neuesten Ergebnisse.
Für den Herbst-Konjunkturbericht der HwK wurden 2.800 Betriebe quer durch alle Branchen befragt. Das entspricht mehr als zehn Prozent aller bei der Handwerkskammer eingetragenen Betriebe. Die Zahl der HwK-Mitgliedsbetriebe liegt aktuell bei etwa 22.100.
Eine unveränderte Konjunkturbewertung im Vergleich zum Vorjahr und eine leicht steigende Tendenz in den nächsten Monaten – „was früher eher Grund zur Sorge gewesen wäre, ist heute schon ein Hoffnungsschimmer“, kommentieren Krautscheid und Hellrich die Wirtschaftslage mit komplizierten Rahmenbedingungen. „Entscheidend ist jetzt, Vertrauen zurückzugewinnen. Wer eine Maschine anschafft, einen Betrieb erweitert, Beschäftigte einstellt oder einen Handwerksbetrieb übernimmt, trifft Entscheidungen für viele Jahre. Dafür brauchen Unternehmen Planungssicherheit. Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten sowie verlässliche politische Entscheidungen wären ein starkes Signal für mehr Investitionen“, so die HwK-Spitze.
Der Konjunkturbericht im Detail
Beim Auftragseingang und Umsatz zeigt sich das Handwerk stabil, ohne dass sich daraus eine Wachstumsdynamik ableiten lässt. 67 Prozent (Vorjahreswerte in Klammern: 66 %) der befragten Betriebe melden gegenüber dem Vorquartal einen gleich gebliebenen oder gestiegenen Auftragseingang. Bei 33 Prozent sind die Aufträge gesunken. Für die kommenden drei Monate erwarten 73 Prozent einen gleichbleibenden oder steigenden Auftragseingang, während 27 Prozent mit einem Rückgang rechnen.
Bei der Umsatzentwicklung melden 71 Prozent (71 %) der Unternehmen gleichbleibende oder gestiegene Umsätze, darunter 25 Prozent (22 %) einen Zuwachs. 29 Prozent verzeichnen rückläufige Umsätze. Der Blick nach vorn fällt ähnlich aus: 73 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden drei Monaten mit stabilen oder steigenden Umsätzen, 27 Prozent erwarten einen Rückgang.
Die Beurteilung der Betriebsauslastung im nördlichen Rheinland-Pfalz ist gesunken. 71 Prozent (75 %) der Befragten melden, dass sie zu mindestens 70 Prozent ausgelastet sind. Der Auftragsvorlauf liegt bei nun 12,3 Wochen und ist von 9,2 Wochen gestiegen.
Kostendruck nimmt deutlich zu
Aktuell melden 77 Prozent (55 %) der Handwerksbetriebe steigende Einkaufspreise, 34 Prozent (26 %) können höhere Verkaufspreise bei ihren Kunden durchsetzen. „Der enorme Kostendruck ist ein Alarmsignal. Wenn bei mehr als drei Viertel der Betriebe die Einkaufspreise steigen, gleichzeitig aber nur ein Teil diese Mehrkosten an die Kunden weitergeben kann, geraten die Margen zwangsläufig unter Druck. Hinzu kommen hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie und fehlende Planungssicherheit. Genau hier muss die Politik ansetzen. Wir brauchen spürbare Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen, damit aus konjunktureller Stabilität wieder Investitionsbereitschaft und Wachstum entstehen können“, so die HwK-Verantwortlichen.
Investitionen bleiben verhalten, Beschäftigungssituation stabil
Die Investitionstätigkeit im Kammerbezirk Koblenz geht zurück. Derzeit investieren 56 Prozent (60 %) der befragten Betriebe. Die durchschnittliche Investitionssumme steigt hingegen von 26.000 Euro auf nun 32.000 Euro. In der aktuellen Umfrage geben 64 Prozent (65 %) der Unternehmen höhere oder gleich hohe Investitionen an. In den nächsten drei Monaten planen 54 Prozent (58 %) der Befragten, Investitionen in mindestens gleicher Höhe wie im Vorquartal vorzunehmen.
Im Personalbereich nehmen in diesem Herbst 71 Prozent (69 %) der Befragten keine Veränderungen vor, 13 Prozent (13 %) stellen Mitarbeiter ein, 16 Prozent (18 %) nehmen Entlassungen vor. Im kommenden Quartal planen 78 Prozent (80 %) keine personellen Veränderungen vorzunehmen, 14 Prozent (12 %) befürchten, Stellen abbauen zu müssen, 8 Prozent (8 %) der Befragten möchten zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
Konjunkturergebnisse nach Branchen
Die Geschäftslagebeurteilung bei den Baubetrieben ist nochmals leicht gestiegen. Im dritten Quartal 2026 melden von den befragten Betrieben in den Bauhandwerken wie Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker oder Straßenbauer 86 Prozent (83 %) eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage. Bei den Ausbaugewerben wie Tischler, Maler, Installateure und Heizungsbauer, Elektrotechniker oder Fliesenleger sind es 84 Prozent (83 %), die ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend einschätzen.
Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf wie Feinwerkmechaniker, Kälteanlagenbauer, Metallbauer, Gebäudereiniger hat sich die Geschäftslageeinschätzung wieder verschlechtert. Hier geben 75 Prozent (79 %) der Befragten eine zufriedenstellende Geschäftslage an.
Im Kammerbezirk Koblenz melden 92 Prozent (86 %) der Kfz-Betriebe eine gute oder befriedigende Geschäftslage, gefolgt von den Gesundheitsgewerben wie Augenoptiker, Zahntechniker, Hörakustiker und Orthopädietechniker mit 88 Prozent.
Von den befragten Betrieben der personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseure, Kosmetiker, Fotografen oder Schuhmacher geben im Herbst 2026 nun 75 Prozent (86 %) eine gute oder befriedigende Geschäftslage an, ebenso wie die befragten Betriebe der Nahrungsmittelhandwerke wie Bäcker, Konditoren, Fleischer mit 75 Prozent (78 %).
Bei der Einschätzung der Erwartungen für die nächsten drei Monate, dass die Geschäftslage gleich bleibt oder sich sogar verbessert, erwarten dies von den Baubetrieben 80 Prozent, von den Ausbaubetrieben 76 Prozent und von den Kfz-Betrieben 81 Prozent. Von den personenbezogenen Dienstleistungsbetrieben gehen 90 Prozent von einer stabilen Konjunkturlage aus. Bei den Gesundheitshandwerken geben 88 Prozent positive Einschätzungen für die Zukunft ab, bei den Nahrungsmittelbetrieben und bei den Handwerkern für den gewerblichen Bedarf sind es jeweils 63 Prozent.
Beratungsangebot der HwK Koblenz
Mit passgenauen Beratungsleistungen unterstützt die HwK ihre Mitgliedsbetriebe, ob in betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen, Beratungen für Design, Kommunikation, Marketing, zu technologischen Transformationsprozessen, Realisierung der Betriebsnachfolge, Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen, Verstärkung der Nachhaltigkeit oder zu weiteren aktuellen Themen.
Informationen zu Einzelheiten der Herbstbefragung 2026 bei der Handwerkskammer Koblenz,
Tel. 0261/ 398-251, beratung@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de
Die Beurteilung der Geschäftslage durch die Handwerksbetriebe der HwK Koblenz bleibt stabil, aber ohne Wachstumsimpulse. Im Herbst 2026 beurteilen wiederum 83 Prozent der befragten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Koblenz ihre aktuelle Wirtschaftslage als gut oder befriedigend. Die Einschätzungen für den Winter sind vorsichtiger: 77 Prozent der Befragten erwarten für die nächsten drei Monate eine stabile Konjunktur.