Wie ist das Arbeiten auf Baustellen zu regeln?

Auf Baustellen arbeiten häufig viele Beschäftigte unterschiedlicher Unternehmen und Gewerke eng zusammen. Das birgt ein erhöhtes Risiko, auch für gegenseitige Ansteckung mit dem Corona-Virus. Sowohl Bauherren als auch Arbeitgeber sind verpflichtet, Maßnahmen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten auf Baustellen zu treffen. In die Festlegung der Schutzmaßnahmen sind auch Einflüsse aus der Arbeitsumgebung und aus sonstigen Arbeitsbedingungen einzubeziehen.

Die BGBau hat eine Handlungsempfehlung, den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Baugewerbe, erstellt.

Zusätzlich gelten länderspezifische Vorgaben sowie ergänzende Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Bitte beachten Sie auch eventuell bestehende kreisspezifische Vorgaben.

Eine entsprechende Checkliste der HwK Koblenz basierend auf diesem Standard finden Sie ebenso in der Anlage.

Koordination mehrerer Arbeitgeber

Die Infektionsschutzmaßnahmen bei gleichzeitig auf Baustellen tätigen Unternehmen sind abzustimmen.

Maßnahmen:

  • Maßnahmen mit Bauherrn, Bauleitung und Baustellen-/SiGe-Koordinator abstimmen.
  • Einen internen Koordinator benennen, der ggf. mit Weisungsbefugnis ausgestattet wird.
  • Die Baustellenordnung um die festgelegten Hygienemaßnahmen ergänzen.
  • Eine Liste mit auf der Baustelle tätigen eigenen Beschäftigten führen, eigene Lieferanten und eigene Nachunternehmer erfassen und bei Zutritt über die umgesetzten Maßnahmen hinsichtlich des Infektionsschutzes unterweisen und sich dies schriftlich bestätigen lassen (§ 4 DGUV Vorschrift 1).

Aktualisierung der Schutzmaßnahmen

Arbeitsstätte / Schutzabstände

Arbeitsplätze, Verkehrswege, Aufenthaltsräume in der Betriebsstätte/auf Baustellen (u. a. Büros, Baucontainer, Treppen, Türen, Aufzüge) so nutzen, dass ausreichender Abstand eingehalten werden kann.

Maßnahmen:

  • Möglichst ausreichend Abstand (1,5 m) zu anderen Personen halten. Wo dieses nicht möglich ist,
  • alternative Schutzmaßnahmen vornehmen (z. B. Schilder, Abtrennung zwischen den Arbeitsplätzen,
  • Maßnahmen nach Ziffer 2.7 o.ä.).
  • In kleineren Räumen möglichst nur eine Person arbeiten lassen. In jedem Fall die Anzahl der Personen begrenzen.
  • Auch in Pausenräumen und Kantinen ausreichende Abstände sicherstellen, z. B. durch entsprechende Anordnung von Tischen und Stühlen. Ggf. Schutzabstände durch Absperrungen oder Markierungen (z. B. Klebeband) abgrenzen.
  • Wo auf Baustellen erfahrungsgemäß mehrere Beschäftigte gleichzeitig anwesend sind (z. B. Werkzeug und Materialausgaben, Bauaufzüge etc.) Schutzabstände ggf. mit Klebeband markieren. Begrenzung der Anzahl von Personen bei der gleichzeitigen Benutzung von Aufzügen.

Arbeitsorganisation

Die Arbeitsorganisation so anpassen, dass ausreichend Abstand eingehalten werden kann.

Maßnahmen:

  • Dienstreisen und Präsenz-Besprechungen auf das unverzichtbare Maß reduzieren. – Tätigkeiten wo immer möglich als mobiles Arbeiten z. B. von zu Hause ermöglichen.
  • Besprechungen und Kundengespräche bevorzugt als Telefon-, Videoanruf oder Video-Chat durchführen.
  • Die Arbeitsabläufe möglichst so organisieren, dass der Hygieneabstand von 1,5 m sicher eingehalten wird. Ist dies nicht möglich, feste Teams bilden und Personalwechsel in den Teams möglichst vermeiden. Die Anzahl der Teammitglieder so gering wie möglich halten und Kontaktvorgaben der Bundesländer beachten.
  • Bei der Zusammenarbeit von mehreren Beschäftigten, z. B. in der Montage, wo immer möglich einen Mindestabstand von 1,5 m gewährleisten.
  • Auf Baustellen, auf denen mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiten, die Arbeiten zwischen den Gewerken in Abstimmung mit Bauleitung und ggf. dem Baustellenkoordinator wo immer möglich zeitlich und räumlich trennen.
  • Für den Arbeitsweg/ Weg zur Baustelle vorzugsweise Individualverkehr (Auto, Fahrrad, zu Fuß) nutzen.
  • Den Personenkreis, der ein Fahrzeug gemeinsam gleichzeitig oder nacheinander benutzt, möglichst
  • beschränken, z. B. indem einem festgelegten Team ein Fahrzeug zugewiesen wird.

Arbeitszeit und Pausengestaltung

Die Belegungsdichte von Arbeitsbereichen und gemeinsam genutzten Einrichtungen verringern.

Maßnahmen

  • Versetzte Arbeits-, Pausen- und Essenszeiten umsetzen, um die Ansammlung von Menschen zu begrenzen und die Einhaltung des Mindestabstandes (1,5 m) zu gewährleisten.
  • Schichtbetrieb organisieren, dabei möglichst immer die gleichen Personen/Teams zu Schichten zusammenstellen.
  • Bei Arbeitsbeginn und -ende, vor Essenausgaben, Geschirrrückgaben, Zugangskontrollen u. ä. Personenstaus vermeiden; durch Markierung am Boden für Mindestabstand sorgen.
  • Duschen, Waschen, Umkleiden so entzerren, dass möglichst wenige Personen aufeinandertreffen.

Hygiene

Ausreichende Reinigung und Hygiene vorsehen, ggf. die Reinigungsintervalle anpassen.

Maßnahmen:

  • Händewaschen unter fließendem Wasser (Flüssigseife, Einmalhandtücher) ermöglichen.
  • Reinigungsintervalle für Arbeitsplätze, Verkehrswege (Türklinken, Handläufe), Gemeinschaftsräume und Sanitäranlagen ggf. anpassen.
  • Zusätzliche Möglichkeiten zur häufigen Handhygiene in der Nähe der Arbeitsplätze einrichten.
  • Firmenfahrzeuge mit Utensilien zur Handhygiene und Desinfektion (auch mit Papiertüchern und Müllbeuteln) ausstatten.
  • Die regelmäßige Innenraumreinigung der Firmenfahrzeuge organisieren.
  • Auf die regelmäßige Reinigung der Arbeitskleidung hinwirken oder diese betrieblich organisieren.
  • Bei natürlicher Lüftung von Arbeitsstätten eine regelmäßige Stoßlüftung veranlassen. Je nach Nutzung und Fenstergröße mehrmals täglich lüften. Raumlufttechnische Anlagen weiter betreiben, da hier das Übertragungsrisiko als gering eingestuft wird. Die vorgeschriebenen Wartungszyklen für die Anlagen sicherstellen.

Arbeitsmittel / Werkzeuge

Arbeitsmittel so verwenden, dass eine Infektionsgefahr minimiert wird.

Maßnahmen

  • Arbeitsmittel nach Möglichkeit personenbezogen verwenden.
  • Wenn dies nicht möglich ist, eine regelmäßige Reinigung vorsehen.
  • Bei Arbeitsmitteln, die von mehreren Beschäftigten verwendet werden, ggf. Schutzhandschuhe verwenden. Hierbei dürfen keine zusätzlichen Gefahren (z. B. Erfassung durch rotierende Teile) entstehen. Dabei ebenfalls Tragzeitbegrenzungen und die individuelle Disposition der Beschäftigten (z. B. Allergien) berücksichtigen.

Aufbewahrung von Arbeitskleidung und Persönlicher Schutzausrüstung (PSA)

Die Infektionsgefahr durch getrennte Lagerung minimieren.

Maßnahmen:

  • Die personenbezogene Arbeitsbekleidung getrennt von der Alltagskleidung aufbewahren.
  • Besonders strikt auf die ausschließlich personenbezogene Benutzung jeglicher Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsbekleidung achten.

Mund-Nasen-Schutz und Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen einen entsprechenden Schutz verwenden.

Maßnahmen:

  • Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen (<1,5 m) (vgl. Arbeitsstätte/Schutzabstände) soll den Beschäftigten ein Mund-Nasen-Schutz bereitgestellt und von diesen getragen werden.
  • Auch eigene Mund-Nasen-Schutze der Arbeitnehmer sind zulässig.
  • In besonders gefährdeten Arbeitsbereichen, z. B. bei direktem Kontakt mit erkrankten oder infektionsverdächtigen Personen, sind Persönliche Schutzausrüstung (PSA) bzw. Atemmasken zu tragen. In diesem Fall auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung ermitteln, welche PSA zur Verfügung gestellt und getragen werden muss. Bei Verwendung von PSA die personenbezogene Nutzung sicherstellen und die Aufbewahrung und Reinigung der PSA organisieren. Hinweis: Da der Arbeitnehmer bei Verdacht auf Infektion die Betriebsstätte/Baustelle verlassen soll, beschränken sich diese Maßnahmen auf wenige Fälle wie z. B. Baumaßnahmen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
  • Wenn die personenbezogene Verwendung von Arbeitsmitteln nicht möglich ist, geeignete Schutzhandschuhe verwenden. Die Hygieneregeln gelten auch bei der Nutzung von Handschuhen. Ggf. ist eine Angebotsvorsorge „Feuchtarbeit“ notwendig.

Sammelunterkünfte

Für Sammelunterkünfte sind besondere Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen.

Maßnahmen:

  • Für die Unterbringung in Sammelunterkünften möglichst kleine, feste Teams, die auch auf der Baustelle oder im Betrieb zusammenarbeiten, festlegen. Diesen Teams nach Möglichkeit eigene Gemeinschaftseinrichtungen (Sanitärräume, Küchen, Gemeinschaftsräume) zur Verfügung stellen, um zusätzliche Belastungen durch schichtweise Nutzung und notwendige Reinigung zwischen den Nutzungen durch die einzelnen Teams zu vermeiden.
  • Grundsätzlich Einzelbelegung von Schlafräumen vorsehen. Eine Mehrfachbelegung von Schlafräumen ist grundsätzlich nur für Partner bzw. enge Familienangehörige statthaft. Im Ausnahmefall (insbesondere aus Kapazitäts- oder organisatorischen Gründen) ist eine Mehrfachbelegung durch Teamangehörige unter Berücksichtigung des Mindestabstandes und zusätzlicher Maßnahmen (z.B. räumliche Abtrennungen, tägliche Feuchtreinigung) möglich.
  • Ggf. zusätzliche Räume zur frühzeitigen Isolierung infizierter Personen vorhalten.
  • Für Küchen in der Unterkunft Geschirrspüler bereitstellen, da die Desinfektion des Geschirrs Temperaturen über 60 °C erfordert. Ebenso ist die regelmäßige Wäschereinigung sicherzustellen (z.B. durch Waschmaschine oder Wäschedienst).
  • Sammelunterkünfte regelmäßig reinigen und lüften.
  • Sanitäranlagen regelmäßig reinigen. Wenn Sanitäranlagen arbeitstägig genutzt werden, diese möglichst arbeitstägig reinigen.

Weitere Informationen sowie Handlungsempfehlungen der BG BAU finden Sie hier.

Weitere Verhaltensempfehlungen u. a. auch in verschiedenen Sprachen stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Verfügung.